BOSRA, BOSTRA (Arabia)

Bosra, römisches Theater (Photo R. Gogräfe)
Bosra, scaenae frons des römischen Theaters (Photo R. Gogräfe)
Bosra, islamische Festungsbauten um das römische Theater (Photo R. Gogräfe)


Maße

Dm cavea 102 m
Dm orchestra 27,5 m
Maße pulpitum 45 x 8,5 m
Höhe pulpitum 1,6 m
Höhe Bühnengebäude 26,6 m

Beschreibung

Das Theater liegt im ebenen Gelände und gilt als das besterhaltene römische Theater überhaupt, noch vor den Bauten in Öffnet internen Link im aktuellen FensterAspendos und Öffnet internen Link im aktuellen FensterOrange. Aus allgemeinen Gründen der Stadtgeschichte wurde der Bau zumeist trajanisch datiert, weil die Überführung des vormaligen nabatäischen Reiches in die Provincia Arabia mit seinem Hauptort Bosra in die Regierungszeit von Kaiser Trajan (98-117) fiel, und man sich aus diesem Anlaß eine umfassende Neugestaltung des bis dahin nabatäischen Ortes vorstellte. In einer solchen Neugestaltung wäre die Existenz eines Theaters obligatorisch. Eine Analyse der Bauornamentik des Theaters führte jedoch zu einer severischen Datierung des Theaters. 
 
Das Theater ist in flachem Gelände erbaut worden. Cavea und Bühnengebäude bilden eine architektonische Einheit. Der Zuschauerraum ist durch zwei Umgänge in drei Ränge geteilt, der Säulenumgang auf der summa cavea ist in Teilen erhalten. Die obersten Sitzreihen eines Ranges haben Rückenlehnen. Die cavea ruht auf Radialkammern, durch die man die oberen Ränge betreten konnte. Von der unteren und oberen praecinctio - Umgang - führten zunächst enge Treppen in konzentrischer Richtung zu den höher gelegenen Sitzreihen. Zwei überwölbte seitliche Eingänge führen auf jeder Seite in die orchestra bzw. auf die römische Bühne, das sog. pulpitum. Der zur Bühne führende Gang kam aus den seitlichen Basiliken. Über dem Durchgang zur orchestra liegt je eine Tribüne, normalerweise die Ehrenloge für den Spielegeber. Die Vorderseite des pulpitums, der niedrigen römischen Bühne, ist mit den üblichen Rund- und rechtecknischen gegliedert. Die Bühnenrückwand weist 4 Etagen auf und war auf 3 Etagen mit einer Nischenverkleidung aus Marmor bzw. Kalkstein verblendet. Die mittlere porta regia liegt innerhalb eines rechtwinkligen Vorsprunges in einer zentralen Rundnische, die portae hospitales befinden sich in kleineren Rundnischen, obwohl an deren Stellen Rechtecknischen die verbreitetere architektonische Lösung sind. Seitlich des Bühnenhauses gelegene Säulenumgänge liegen an Stelle der sog. Basiliken.

Literatur

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Öffnet externen Link in neuem FensterE. R. Fiechter, Die baugeschichtliche Entwicklung des griechischen Theaters (München 1914) 95 f.; 123 f.; Abb. 93.

H. C. Butler, Publications of the Princeton University Archaeological Eexpeditions to Syria division II, section A part 4, Bosra (Leiden 1914) 273-275 Abb. 241-243 Taf. 14-15.

S. Abdul-Hak, Chronique des fouilles en Syrie: Les fouilles de la Direction générale des Antiquités. Les fouilles dans la citadelle et au theâtre de Bosra, AAS 1, 1951, 107-110 Taf. I-II.

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Öffnet externen Link in neuem FensterE. Frézouls, Recherches sur les théatres de l'orient Syrien, Syria 36, 1959, 214. 222.

S. Abdul-Hak, Decouvertes archéologiques recentes dans les sites gréco-romains de Syrie, in: Atti VII congresso internazionale di archeologica classica, III (Rom 1961) 37 f.

R. Amy, Mise en valeur de Bosra-Cham (1968)

H. Finsen, Le levé du theâtre romain à Bosra, Analecta Romana Instituti Danici Suppl. (Kopenhagen 1972)

S. Mogdad, Bosra, guide historique et archéologique (Damaskus 1974)

M. Sartre, Bosra des origines à l’Islam. Bibliothèque archéologique et historique 117 (Paris 1985) 95 f.

A. Segal, Die Theaterbauten im Alten Palästina in römisch-byzantinischer Zeit, Antike Welt 18/1, 1987, 2-21 Abb. 18-21.

K.-S. Freyberger, Zur Datierung des Theaters von Bosra, Damaszener Mitteilungen 3, 1988, 17-26 Taf. 9-15 (mit severischer Datierung).

J.Cl. Golvin, L'amphithéâtre romain. Essai sur la théorisation de sa forme et de ses fonctions, I-II (Paris 1988) 246.

K.-S. Freyberger, Einige Beobachtungen zur städtebaulichen Entwicklung des römischen Bostra, Damaszener Mitteilungen 4, 1989, 54 unter Alexander Severus datiert. (severisch; sonst auch trajanisch datiert)

A. Segal, Theatres in Roman Palestine and Provincia Arabia. Mnemosyne Supplementum 140 (Leiden/New York/Köln 1995) 53-55 Abb. 38-48.

P. Ciancio Rossetto/G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, III (Rom 1994) 197 f.

R. G. Chase, Ancient Hellenistic and Roman Amphitheatres, Stadiums, and Theatres – the way they look now (Portsmouth, New Hamphshire 2002) 170 Abb.

E. Burmeister, Antike griechische und römische Theater (Darmstadt 2006) 151 f. Abb.

J. Dentzer-Feydy – M. Vallerin – Th. Fournet – R. und A. Mukdad, Bosra aux portes de l’Arabie (2007) 173-178.

H. Dodge, Amphitheatres in the Roman East, in: T. Wilmott (Hrsg.), Roman Amphitheatres and spectacula: a 21st-Century Perspective, Papers from an international conference held at Chester, 16th-18th February, 2007, BAR Int. Ser. 1946 (Oxford 2009) 40.

Öffnet externen Link in neuem FensterIslamische Festungsbauten:

W. Müller-Wiener, Burgen der Kreuzritter im Heiligen Land, auf Zypern und in der Ägäis (München 1966) 69 ff.; A. Abel, La citadelle ayyubide de Bosra Eski Cham, AAS 6, 1956, 95 ff. M. Meinecke - F. Aalund - L. Korn, Die Zitadelle in Bosra - islamische Architektur und Archäologie, Orient-Archäologie 17 (Rahden 2005).

weblinks:

Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://www.bosracity.com/pages/r-pics.htm (Sammlung alter Photographien).
Öffnet externen Link in neuem Fensterhttp://mytrips.blennerhassett.id.au/bosra.htm (Photographien).http://www.bosracity.com/pages/r-pics.htm

Veranstaltungen

Actia Dusaria:

Aktische Spiele zu Ehren des Gottes Dushara. Spiele zu Ehren des Seesieges des Octavian über Kleopatra VII. und Marcus Antonius bei Actium waren in der antiken Welt sehr verbreitet. In Bosra waren sie nach ihrem Namen mit der Verehrung der nabatäischen Gottheit Dusares verbunden, der Hauptgottheit des arabischen Stammes. Dieser wurde sowohl mit dem griechischen Dionysos als auch Ares identifiziert.

Literatur: M. Sartre, Bosra des origines à l’Islam. Bibliothèque archéologique et historique 117 (Paris 1985) 156-158.

Inschriftliche Zeugnisse:
Schauspieler-Inschrift aus Öffnet internen Link im aktuellen FensterOstia, CIL XIV 474.

Numismatische Zeugnisse: J. Dentzer-Feydy – M. Vallerin – Th. Fournet – R. und A. Mukdad, Bosra aux portes de l’Arabie (2007) 27 Abb.

Olympische Spiele:

Literatur: Öffnet externen Link in neuem FensterChr. Wallner, Der olympische Agon von Bosra, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 129, 2000, 97-107.