Quellen:
Zahlreiche wichtige Angaben zum Charakter der Floralia finden sich in lyrischer Sprache im Festklender des
Ovid:
Ovid, fasti IV (lat.) 493 ff.
Ovid, fasti V 183 ff.
„Mutter der Blumen, komm her! Ich verschob deinen Abschnitt im letzten
Monat, doch jetzt wolln wir dich feiern bei fröhlichem Spiel!
Schon im April fängt dein Fest an und reicht in den Mai noch hinüber;
Der hat dich dann, wenn er geht, dieser, sobald er erscheint.
Monatsende und -anfang gehörn und gehorchen dir; beide
Monate passen somit gut für ein Loblied auf dich.
Spiele im Circus enden im Mai, der Applaus im Theater,
Wenn einer siegt, und mein Lied laufe im Circus nun mit!
Lehre mich selbst, wer du bist! Was der Mensch sich so denkt, ist oft irrig;
Was dein Name besagt, kündest am besten du selbst!»
So sprach ich, und so gab die Göttin dem Fragenden Antwort;
Frühlingsrosen enthaucht, während sie redet, ihr Mund:
«Chloris war ich, bin jetzt Flora: Der griechische Laut meines Namens
Wird im lateinischen Wort durch einen andren entstellt.
Chloris war ich, eine Nymphe des glücklichen Landes, wo einst die
Seligen lebten; gewiß hast du darüber gehört." (Übers. N. Holzberg)
Ovid, fasti V 277 ff.
«Sage mir», gab ich zurück, «wie die Spiele entstanden sind, Göttin!»
Kaum war die Frage gestellt, gab sie mir diesen Bericht:
«Geltung hatten noch nicht die Mittel, die Luxus verschaffen;
Reiche besaßen nur Vieh oder ein großes Gebiet.
Daher stammt das Wort ‚reich’ und daher ‚Geld’; aus verbotnen
Quellen hat man jedoch bald sich den Reichtum verschafft.
Brauch wurde es, daß das Vieh auf staatlichen Grundstücken graste;
Das blieb lange erlaubt, Strafe bezahlte man nicht.
Keinen gab's, der des Volks Interesse am Staatsbesitz wahrnahm;
Galt doch als untüchtig, wer Vieh hielt auf eigenem Grund!
Doch den Ädilen des Volks, den Publiciern, wurde der Missbrauch
Schließlich gemeldet; zuvor fand dazu keiner den Mut.
So nahm das Volk sich des Falls an, die Schuldigen wurden bestraft, und
Die, die zum Wohle des Volks handelten, wurden gelobt.
Teilweise gab man die Strafsumrne mir, und es stifteten neue
Spiele die Sieger, was auch breiteste Zustimmung fand.
Teilweise nahm man das Geld für die Arbeit am Hügel: ein steiler
Fels einst, ein nützlicher Weg jetzt, der <Publicische> Weg.»
jährlich, dachte ich, fänden die Spiele statt. Dieses verneinte
Nun die Göttin und sprach weitere Worte zu mir:
«Uns auch reizt die Ehre; ein Fest, ein Altar - das gefällt uns.
Ehrgeizig sind wir sogar, wir, der Unsterblichen Schar.
Oft hat ein Mensch die Götter feindlich gestimmt durch sein Freveln,
Und ein Opfertier war Sühne für dieses Vergehn.
Oft sah ich Jupiter, wie er die Blitze, die er schon schleudern
Wollte, zurückhielt, weil Weihrauch hinaufstieg zu ihm. (Übers. N. Holzberg)
Ovid, fasti V 327 ff.
„Fragen wollte ich auch, warum bei den Spielen stets größte
Ausgelassenheit herrscht, freier gescherzt wird als sonst.
Doch mir fiel ein, daß diese Gottheit nicht streng ist und daß sie
Gaben nur bringt, die gut passen zu heiterem Spiel.
Alle Schläfen schmücken gewundene Kränze, und, auf den
Glänzenden Tisch gestreut, decken die Rosen ihn zu.
Trunken tanzt der Zecher, dem Lindenbast sich ums Haupt schlingt;
Unbewußt übt er die Kunst, die ihn das Weintrinken lehrt.
Trunken singt er und liegt auf der harten Schwelle der schönen
Freundin; den weichen Kranz trägt er im duftenden Haar.
Ist die Stirne bekränzt, dann kann man nichts Ernstes betreiben;
Klares Wasser trinkt der, der sich mit Blumen schmückt, nicht.
Als man dich, Achelous, noch nicht mit Wein mischte, fand man
Keinen Gefallen daran, Rosen zu nehmen als Schmuck.
Bacchus liebt die Blumen; daß Bacchus Gefallen am Kranz fand,
Diese Göttin, zu der nur das leichte Schauspiel paßt, hat mit
jenen mit dem Kothurn gar nichts, nein, gar nichts zu tun!
Und den Grund zu nennen, warum diese Spiele das Volk der
Dirnen festlich begeht, ist überhaupt kein Problem:
Flora hat's nicht mit ernsten und nicht mit pathetischen Leuten;
Wünscht sie sich doch, daß ihr Fest zugänglich sei für die Plebs!
Und sie mahnt, sich des Lebens, wenn's blüht und noch schön ist, zu freuen,
Dann zu verachten den Dorn, wenn seine Rose verblüht!
Doch warum ist sie schön im Schmuck ihrer bunten Bekleidung,
Während am Ceresfest weiße Gewänder man trägt?
Etwa weil weiß wird die Ernte durchs Reifen der Ähren, und jede
Farbe und jede Gestalt Blumen besitzen - ist's das?
Sie bejaht es und schüttelt das Haar: Da regnet es Blumen,
Wie wenn über den Tisch Rosen wir streuen zum Fest.
Nur noch der Grund dafür, daß man Fackeln trägt, war mir verborgen;
Mir meine Unwissenheit nehmend, belehrte sie mich:
«Entweder weil die Felder leuchten von purpurnen Blumen,
Glaubte man, auch mein Fest werde durch Lichter geschmückt,
Oder weil bei Blume und Flamme die Farbe nicht matt ist,
Beide den Blick auf sich ziehn durch ihren leuchtenden Glanz,
Oder weil zu meinen Spielen das nächtliche Schwärmen
Paßt. Nur der letzte Grund geht mit der Wahrheit konform.»
«Wenig», sprach ich, «ist übrig, wonach ich noch fragen will, wenn es
Mir erlaubt ist», worauf sie sprach: «Es ist dir erlaubt!»
«Sag, warum jagt man dir zu Ehren statt libyscher Löwen
Zahme Ziegen sowie ängstliche Hasen ins Netz?»
Nicht die Wälder, sondern die Gärten und Felder, die wilden
Tieren verboten sind, die, sagte sie, seien ihr Reich.
Damit war sie am Schluß und erhob sich hinauf in die leichten
Lüfte; ihr Duft blieb zurück, welcher die Göttin verriet.
Daß das Gedicht des Naso in alle Ewigkeit blühe,
Streu mir, ich bitt' dich darum, deine Geschenke ins Herz!" (Übers. N. Holzberg)
Cicero, Verres II 5,36 (lat.):
Nunc sum designatus aedilis; habeo rationem quid a populo Romano acceperim; mihi ludos sanctissimos maxima cum cura et caerimonia Cereri, Libero, Liberaeque faciundos, mihi Floram matrem populo plebique Romanae ludorum celebritate placandam, mihi ludos antiquissimos, qui primi Romani appellati sunt, cum dignitate maxima et religione Iovi, Iunoni, Minervaeque esse faciundos, mihi sacrarum aedium procurationem, mihi totam urbern tuendam esse commissam; ob earurn rerum laborem et sollicitudinem fructus illos datos, antiquiorem in senatu sententiae dicendae locum, togam praetextam, sellam curulem, ius imaginis ad inemoriam posteritatemque prodendae.
„Jetzt bin ich ernannter Ädil; ich bin mir bewußt, was ich vom römischen Volke empfangen habe: daß ich mit größter Sorgfalt und Ehrfurcht die hochheiligen Spiele zu Ehren der Ceres, des Liber und der Libera veranstalten, daß ich der Mutter Flora Huld für das gesamte römische Volk durch die Festfeier von Spielen gewinnen, daß ich die uralten Spiele, die als die ältesten - die Römischen heißen, mit der größten Würde und Gewissenhaftigkeit dem Jupiter, der Juno und der Minerva zu Ehren abhalten muß, daß mir die Obhut der Gotteshäuser, mir der Schutz der ganzen Stadt anvertraut ist, daß ich für diese Mühen und Sorgen folgenden Lohn erhalte: im Senat einen höheren Rang bei der Meinungsäußerung, die purpurverbrämte Toga, den kurulischen Stuhl, das Recht, mein Bildnis dem Andenken der Nachwelt zu hinterlassen.(Übers. M. Fuhrmann)
Valerius Maximus II 10,8:
(Text folgt)
Sueton, Galba 6,1 (lat.):
Übersetzung:
„Die Ämterlaufbahn begann er schon vor der gesetzlichen Zeit. Als Prätor zeigte er bei den Floralienspielen ein ganz neuartiges Schauspiel, nämlich seiltanzende Elefanten."
Persius, saturae V 177 (lat.)
Plinius, nat. hist. XVIII 286
Velleius I 14,8 (lat.)
Augustinus, de civitate dei II 27:
„Als Tullius, der ernste Mann, aber schwache Philosoph, Ädil werden sollte, machte er der Bürgerschaft mit lauter Stimme bekannt, daß es zu den Obliegenheiten seines Amtes gehöre, Mutter Flora durch Veranstaltung festlicher Spiele zu versöhnen. Das aber sind Spiele, von denen es heißen kann: je schändlicher um so frommer. Ein andermal, schon als Konsul und zu einer Zeit, da sich der Staat in größter Gefahr befand, sagt er, es seien nun zehn Tage lang Spiele abgehalten und nichts unterlassen, was man zur Versöhnung der Götter habe tun können. Wäre es nicht angebracht gewesen, solche Götter lieber durch Mäßigkeit zu ärgern als durch Üppigkeit zu versöhnen, lieber durch Ehrbarkeit ihre Feindschaft herauszufordern als durch solchen Unfug zu besänftigen? ... Diese leichtfertige, unsaubere, schamlose, abscheuliche, schmutzige Versöhnungsfeier, diese Schauspiele, deren Darsteller löbliche Römertugend der bürgerlichen Ehre beraubte, deklassierte, für anrüchig und minderwertig erklärte, diese schandbare, von der wahren Religion mit Widerwillen verabscheute Versöhnungsfeier solcher Gottheiten, diese die Götter verklagenden und verlästernden Fabelgeschichten, diese Schandtaten von Göttern, verbrecherisch und schimpflich vollbracht, oder noch verbrecherischer und schimpflicher erdacht, mußte die ganze Bürgerschaft unverblümt mit Augen und Ohren zur Kenntnis nehmen. Sie sah, daß die Gottheiten an dem Dargestellten Gefallen hatten, und glaubte, man müsse es nicht nur ihnen zu Ehren vorführen, sondern auch jeder für sich nachahmend ausführen, aber nicht etwa jenes Anständige und Ehrbare, das - wenn überhaupt nur so wenigen und so heimlich kundgetan wurde, als fürchtete man seine Verbreitung mehr als seine Befolgung.“ (Übers. W. Thimme)
Arnobius VII 33 [
lateinisch;
engl. Übers.]
33,1. Ludi vero, quos facitis, quibus Floralibus et Megalensiis nomen est ceterique omnes alii quos esse sacros voluistis et religionum inter officia deputari quam rationem habent, quam causam? ut institui condique debuerint et ex numinum appellatione signari? 2. "Honorantur, inquit, his dii et si quas ab hominibus continent offensionum memorias inlatarum, abiciunt, excludunt redduntque se nobis redintegrata familiaritate fautores". - Et quae causa est rursus, ut tranquilli, placidi efficiantur et mites, ineptae si res fiant et ab hominibus otiosis multitudine spectante ludatur? 3. Ponit animos Iuppiter si Amphitryon fuerit actus pronuntiatus que Plautinus, aut si Europa, si Leda, Glanymedes si fuerit saltatus aut Danae, motum conpescit irarum? tranquillior, lenior Mater Magna efficitur si Attidis conspexerit priscam refricari ab histrionibus fabulam? Obliterabit offensam Venus si Adonis in habitu gestum agere viderit saltatoriis in motibus pantomimos? Indignatio relanguescit Alcidae, si tragoedia Sophoclia cui Trachiniae nomen est, Euripidis aut Hercules actitatur? Existimatve tractari se honorifice Flora, si suis in ludis flagitiosas conspexerit res agi et migratum ab lupanaribus in theatra? 4. Itane istud non est deorum inminuere dignitatem, dicare et consecrare turpissimas res eis, quas censor animus respuat et quarum actores inhonestos esse ius vestrum et inter capita conputari iudicavit infamia? 5. - Mimis nimirum dii gaudent, et illa vis praestans neque ullis hominum comprehensa naturis libentissime commodat audiendis his auris, quorum symplegmatibus plurimis intermiatos se esse derisionis in materiam norunt: delectantur, ut res est, stupidorum capitibus rasis, salapittarum sonitu atque plausu, factis et dictis turpibus, fascinorum ingentium rubore. 6. Iam vero si viderint in femineas mollitudines enervantes se viros, vociferari hos frustra, sine causa, alios cursitare, amicitiarum fide salva contundere se alios et crudis mutilare de caestibus, certare hos spiritu, buccas vento distendere votisque inmanibus concrepare: manus ad caelum tollunt, rebus admirabilibus moti prosiliunt, exclamant, in gratiam cum hominibus redeunt. 7. Haec si dis immortalibus oblivionem adferunt simultatum, si ea comoediis, Atellanis, mimis ducunt laetissimas voluptates, quid moramini, quid cessatis, quin et ipsos dicatis deos ludere lascivire saltare, obscenas conpingere cantiones et clunibus fluctuare crispatis? 8. Quid enim differt aut interest, faciantne haec ipsi an ab aliis fieri in amoribus atque in deliciis ducant?
Übersetzung nach
Besnard:
33. Die Spiele aber, die ihr veranstaltet, Floralien und Megalesien genannt, samt allen übrigen, die ihr als heilig gehalten und unter die Religionsdienste gezählt wissen wollt, welcher Grund, welche Ursache veranlaßte, daß sie angeordnet und eingerichtet, nach der Götter Namen bezeichnet werden mußten? Man sagt, durch sie werden die Götter geehrt, und bewahren diese das Andenken der von Menschen ihnen zugefügten Beleidigungen, so geben sie dieselben auf, vernichten die Erinnerung und kehren sich wieder mit erneuerter Zuthunlichkeit als Gönner uns zu. Und was ist ferner Ursache, daß sie beruhigt, gefällig, sanftmüthig werden, wenn thörichtes Zeug vollbracht und vor der gaffenden Menge durch unnütze Menschen vorgestellt wird? Läßt Jupiter seinen Zorn fahren, wenn der plautinische Amphitryo gestikuliert und vorgetragen wird? Oder wenn man die Europa, die Leda, den Ganymedes oder die Danae tanzt, zähmt er da seinen Groll? Läßt sich die große Mutter beruhigen, sänftigen, wenn sie die alte Fabel vom Attis durch Schauspieler wieder aufwärmen sieht? Wird Venus ihr Unglück vergessen, wenn sie den Pantomimen als Adonis verkleidet tanzend erblickt? Des Alciden Unwille erschlafft wohl, wenn des Sophokles Tragödie, die Trachinerinnen genannt, oder des Euripides Herkules vorgestellt wird? Hält sich Flora etwa für ehrenvoll behandelt, schaut sie bei ihren Spielen die schmählichen Dinge treiben und den Umzug von den Hurenhäusern nach dem Theater? Heißt das nun nicht der Götter Würde verderben, wenn man ihnen die schändlichsten Dinge zueignet und weiht, welche das strengsittliche Gemüth zurückstoßt, und deren Darsteller euer Recht als der Bürgerehre entnommen und zur Klasse der Ehrlosen gehörig verdammt hat? Unfehlbar erfreuen sich die Götter an den Mimen, und jene vortreffliche, keiner Menschennatur irgend erfaßbare Machtvollkommenheit leiht aufs willigste denselben, sie zu hören, das Ohr, obschon sie sich als Stoff zum Verlachen derselben mehrsten Schauspielen' eingemischt wissen; ja sie ergötzen sich, wie bei uns, an den geschorenen Köpfen der Spaßmacher, an dem Schlagen und Klatschen der flachen Hände, an der Schändlichkeit übermäßiger Phallus. Außerdem aber, wenn sie die zur weibischen Weichlichkeit entarteten Männer schauen, wie diese vergeblich schreien, jene ohne Ursache umherlaufen, andere, unbeschadet ihrer Freundschaft, sich niederschlagen und mit mörderischen Kampfhandschuhen zerfleischen; wie diese wetteifern, wer länger in einem Atem fortreden oder fortsingen könne, wie sie die Backen voll nehmen und mit mächtigen Fersen stampfen: dann erheben sie die Hände zum Himmel, springen, von den bewunderungswürdigen Dingen aufgeregt, empor, rufen laut Beifall und wenden sich voll Gunst den Menschen zu. Bewirkt dies bei den unsterblichen Göttern des Grolles Vergessen, verursachen die Komödien, die Atellanen, die Mimen ihnen die erfreulichste Lust: was säumt, was zögert ihr auszusagen, daß auch die Götter selbst Kurzweil treiben, scherzen, tanzen, unsittliche Lieder verfassen und mit bebenden Lenden sich umherdrehen? Denn welcher Unterschied findet statt, oder was liegt daran, ob sie dies selbst thun, oder ob sie daran, geschieht es von Anderen, Wohlgefallen und Ergötzung haben? Welche endlich auch der Balletttänzer von Jugend auf an seinem Körper erduldet, um ein rechter Künstler sein zu können. Sogar die öffentlichen Dirnen werden als Futter für die Ausgelassenheit des Publikums auf der Bühne produziert, beklagenswerter in Gegenwart der Frauen, denen allein sie unbekannt waren, werden sie dem Anblick von Personen jedes Alters und jeder Stellung vorgeführt und ihre Standorte, ihre Preise und ihre guten Eigenschaften auch denen, vor welchen es nicht geschehen sollte, angepriesen. Ich schweige von den übrigen Dingen, welche anstandshalber in ihrer Dunkelheit und den Lasterhöhlen verborgen bleiben sollten, damit nicht das Sonnenlicht dadurch besudelt würde. Es sollte sich schämen der Senat, es sollten sich schämen alle Stände. Selbst jene Personen, die Mörderinnen ihrer eigenen Schamhaftigkeit, verraten doch in ihren Gesten Furcht vor dem Tageslichte und dem Volke; sie schämen sich wenigstens einmal im Jahre."
Cassius Dio LVI 19,1
Juvenal, satura VI (lat.) 249 f (nach einer langen Klage über die verdorbene weibliche Moral):
„Purpurne Athletenmäntel und Ringkampföl legen sie an, wer wüsste es nicht? Jedermann hat ja den Übungspfahl gesehen, wie sie ihn zerhackt, wie sie mit dauernden Schlägen ihn aushölt, ihm mit dem Schild zusetzt, kurz, wie sie nach allen Regeln der Kunst ficht. Das ist eine Dame? Sie würde gut beim Floralienfest unter den nackten Huren mittanzen, es sei denn, dass sie noch etwas besseres vorhat, nämlich wirklich in der Arena zu kämpfen.“ (Übers. H.C. Schnur)
Lactantius, Div. Inst. XX 10 (
Documenta Catholica Omnia, S. 219 f.)
Tertullian, de spectaculis XVII:
Übers. nach
Bibl. d. Kirchenväter
„Wird uns nicht ebenso befohlen, jegliche Schamlosigkeit fernzuhalten? Auch hierin liegt für uns ein Verbot des Theaters, welches die Heimat und der Tummelplatz der Schamlosigkeit ist, wo nichts Beifall findet, als was sonst nirgends welchen findet. Daher setzt sich sein größter Zauber meistens aus Unflätereien zusammen, welche der Atellanenspieler durch Gestikulationen ausdrückt, welche der mimische Schauspieler sogar in Weiberkleidern wirklich darstellt und womit er das schamhaftere Geschlecht vertreibt, so daß es eher zu Hause als im Theater errötet welche endlich auch der Ballettänzer von Jugend auf an seinem Körper erduldet, um ein rechter Künstler sein zu können. Sogar die öffentlichen Dirnen werden als Futter für die Ausgelassenheit des Publikums auf der Bühne produziert, beklagenswerter in Gegenwart der Frauen, denen allein sie unbekannt waren, werden sie dem Anblick von Personen jedes Alters und jeder Stellung vorgeführt und ihre Standörter, ihre Preise und ihre guten Eigenschaften auch denen, vor welchen es nicht geschehen sollte, angepriesen. Ich schweige von den übrigen Dingen, welche anstandshalber in ihrer Dunkelheit und den Lasterhöhlen verborgen bleiben sollten, damit nicht das Sonnenlicht dadurch besudelt würde. Es sollte sich schämen der Senat, es sollten sich schämen alle Stände. Selbst jene Personen, die Mörderinnen ihrer eigenen Schamhaftigkeit, verraten doch in ihren Gesten Furcht vor dem Tageslichte und dem Volke; sie schämen sich wenigstens einmal im Jahre. Wenn wir nun jede Schamlosigkeit verabscheuen sollen, wie könnte es uns erlaubt sein, anzuhören, was zu sagen unerlaubt ist, da sogar jeder schlechte Spaß und jedes vergebliche Wort, wie wir wissen, vom Herrn gerichtet wird? Wie sollte, was aus dem Munde ausgehend den Menschen verunreinigt, durch Augen und Ohren eingehend ihn nicht verunreinigen, da die Ohren und Augen ja Diener des Geistes sind, und der, dessen Diener beschmutzt sind, niemandem sauber erscheinen kann? Da hast du ein Verbot des Theaters auf Grund des Verbotes der Unkeuschheit. Wenn wir nun auch die Gelehrsamkeit der Literatur der Heidenwelt als eine Torheit vor Gott verachten, so ist uns in betreff jener Arten von Spielen genug gesagt, welche in der profanen Literatur in die komische und tragische Gattung eingeteilt werden. Wenn die Tragödien sowohl als die Komödien den Trieb zum Verbrechen und zur Wollust steigern und grausamen, ausgelassenen, ruchlosen und lockern Charakters sind, so ist die mündliche Besprechung gräßlicher wie niedriger Handlungen um nichts besser. Was als Tat verwerflich ist, ist auch in Worten nicht zu dulden."
Literatur: M. Clavel-Lévêque, L'Empire en Jeux. Espace Symbolique et Pratique Sociale dans le Monde Romain (Paris 1984) 24 ff.; H.H. Scullard, Römische Feste. Kalender und Kult, Kulturgeschichte der antiken Welt 25 (Mainz 1985) 171 ff.; R. Lafer, Schauspiele und Schauspielebesuch bei Tertullian, Cyprian und Novatian im Vergleich, in: K. Strobel (Hrsg.), Die Geschichte der Antike aktuell: Methoden, Ergebnisse und Rezeption, Akten des 9. gesamtösterreichischen Althistorikertages 2002 und der V. Internationalen Table Ronde zur Geschichte der Alpen-Adria-Region in der Antike, Klagenfurt 14. 11-17. 11. 2002, Altertumswissenschaftliche Studien Klagenfurt, 2 (Klagenfurt 2005) 249-263.
