Saḥr al-Ledja (Syria)
Lage
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Maße
Dm cavea 21 m
Beschreibung
Die schwer zugängliche, im Nordosteck der südsyrischen Lavawüste
al-Leja (im Altertum Trachon/Trachonitis) gelegene Ortslage von Sahr bezeichnet einen in hellenistischer und römischer Zeit monumental ausgebauten Pilgerort mit einem Heiligtum, mehreren Banketthäusern und einem Theater. Der archäologische Kontext, vor allem aber das Fehlen von Wohnhäusern und Friedhöfen zeigt, dass der Ort nicht permanent besiedelt, sondern nur saisonal und relativ kurzzeitig, vermutlich nur zu den Festtagen der im Heiligtum verehrten arabischen Götter, aufgesucht worden war. Ohne Anzeichen einer christlichen Umwidmung verschwindet der Ort nach einer Zerstörung in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts n.Chr. aus dem Repertoire der südsyrischen Kultlandschaft. Unter allen Baudenkmälern war das Theater in Sahr bis zum Aufenthalt der Archäologischen Expedition der Princeton University unter der Leitung von H.C. Butler im Jahr 1906 am besten erhalten. Erst in den vergangenen Jahrzehnten wurde es nahezu völlig zerstört. Der von H.C. Butler veröffentlichten Publikation kommt daher bei der heutigen Beurteilung des Theaters große Bedeutung zu.
Das im Grundriss U-förmige, mit der Cavea (äußerer Durchmesser 20m, Durchmesser der Orchestra 10,25 m) nach Südwesten orientierte Theater befindet sich etwa 16 m südöstlich des Tempels. Seine Achse läuft parallel zu der des Heiligtums. Die Sitzreihen ruhten auf einer massiven Steinaufschüttung, die von mindestens zwei aneinandergrenzenden konzentrischen Stützmauern umschlossen war, von denen die größere eine äußere Hülle bildete. Das Mauerwerk der Außenwand der Cavea bestand aus bruchrauh belassenen Basaltblöcken. Bemerkenswerterweise ruhte die Bühnenwand auf dem gewachsenen, zerklüfteten Relief der erkalteten Lava des Geländes. Sie fluchtet exakt mit der Rückwand der Cella des Tempels und dessen Adyton. Man muss deshalb davon ausgehen, dass der räumliche Bezug zum Tempel bei der Planung wichtiger war als eine bautechnisch einfachere Konstruktion der Cavea in besser geeigneter Geländebettung.
Laut Butler, der den Boden der
Orchestra wegen des Versturzes nicht sehen konnte, war diese von einer mindestens 2 m hohen Mauer umgeben. Ein 0,82 m breiter Umgang verlief entlang der untersten Sitzreihe. Nach oben folgten, ebenfalls laut Butler, sieben Sitzreihen mit einer Höhe von jeweils 0,38 m und einer einheitlichen Tiefe von 0,50 m bis in die summa cavea, wo ein breiterer Gang den obersten Umgang der Cavea bildete. Butler rekonstruierte fünf radiale Treppenläufe, welche die Cavea unterteilten und vier Joche begrenzten. Den Beobachtungen von M. Kalos zufolge scheint es jedoch nur drei Treppenläufe gegeben zu haben: einen axialen und jeweils einen weiteren symmetrisch zu beiden Seiten. Butler beschrieb außerdem drei gewölbte versurae zur
Orchestra jenseits der Cavea, eine axiale und zwei auf Höhe der senkrechten Tangenten der Orchestra. Einer von ihnen ist von der Südostseite aus noch gut sichtbar. Es ist wahrscheinlich, dass der Zugang zur Orchestra über eine oder zwei Zugangstreppen von außen möglicherweise über das
Proscaenium und
Pulpitum erfolgte. Es gab also streng genommen kein Bühnengebäude, sondern allenthalben eine freistehende Bühnenwand mit Türöffnungen. Diese reduzierte Art der Ausstattung war eher für Vorträge oder Reden als für Theateraufführungen mit Requisiten und Statisten geeignet. Die in der Literatur gelegentlich geäußerte Hypothese, dass das Theater überdacht gewesen sei, konnte bei den französisch-deutschen Nachuntersuchungen nicht bestätigt werden.
Ähnlich wie in
Sur,
Si' und im Artemis-Nanaia-Heiligtum von
Dura Europos oder dem Heiligtum der
Dea Syria auf der Insel Delos dürfte das Theater einer Kultgemeinde beim Zusehen der Zeremonien im örtlichen Heiligtum gedient haben. Im Unterschied zu den rechteckigen Hof-Theatra in Si' und Sur ist hier die halbrunde Form realisiert worden.
Literatur
H.C. Butler, Publications of the Princeton Archaeological Expeditions to Syria in 1904-1905 and 1909, Division II Ancient Architecture in Syria, Section A Southern Syria, Part 7 The Ledja (Leiden 1919) 441-446 Abb. 387.
E. Frézouls, Les théâtres romains de Syrie, Annales Archéologiques de Syrie 2, 1952, 81-82 Abb. 9.
E. Frézouls, Recherches sur les théâtres de l'orient Syrien, Syria 36, 1959, 216. 222.
E. Will, Théâtres sacrés de la Syrie et de l’Empire, Mélanges de l’Universitè St. Josephe 37, 1960-61 (=Festschrift Mouterde), 209-219 (211).
A. Segal, Die Theaterbauten im Alten Palästina in römisch-byzantinischer Zeit, Antike Welt 18/1, 1987, 2-21 Abb. 17.
E. Frézouls, Les édifices des spectacles en Syrie, in: J.-M. Dentzer - M. Orthmann (Hrsg.), Archéologie et Histoire de la Syrie II = Schriften zur vorderasiatischen Archäolgie I (Saarbrücken 1989) 386. 400.
P. Ciancio Rossetto/G. Pisani Sartorio (Hrsg.), Teatri greci e romani alle origini del linguaggio rappresentato, III (Rom 1994) 213.
A. Segal, Theatres in Roman Palestine and Provincia Arabia. Mnemosyne Supplementum 140 (Leiden/New York/Köln 1995) 38 f. Abb. 2.
M. Kalos, Le site du Sahr, Topoi 7, 1995, 965-991 Abb. 1.
J. Dentzer-Feydy, Les sanctuaires païens de type régional en Syrie du Sud, in: M. al-Maqdissi - F. Braemer - J.-M. Dentzer (Hrsg.), Hauran, V: La Syrie du Sud du Néolithique à l’Antiquité tardive: recherches récentes; actes du colloque de Damas 2007, Bibliothèque archéologique et historique, 191 (Beirut 2010) 225-238 Abb. 2. 18.
J. Dentzer-Feydy – J.-M. Dentzer – F. Renel – A. Sartre-Fauriat, Le sanctuaire et l’agglomération à l’époque romaine, Recherches Syro-Européennes 1998–2008, Sahr al-Leja I = Hauran IV, 1. Bibliothèque Archéologique et Historique, 209 (Beirut 2017) 157-169.
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