MOGONTIACUM, Mainz (Germania superior)
Bildliche Reflexe des Spiele- und Theaterwesens in Mainz
Terracottamaske aus einer Grube an der Pariser Straße.
Kommentar: Die tragische Maske aus Mainz wurde einer Serie zugewiesen, die in Köln hergestellt worden sein soll und die mit weiteren Exemplaren möglichweise in Augst und Vechten vertreten ist. Vgl.
Speyer.
Lit.: E. Neeb, Mainzer Ztschr. 20/21, 1925/26, 98 Abb. 12; H. Rose, Die römischen Terracottamasken in den Nordwestprovinzen, Monumenta Artis Romanae XXXVI (Wiesbaden 2006) 44 Abb. 20.
Orpheus-Mosaik
Reflexe des hiesigen Theaterlebens bieten einige bildliche Darstellungen: So wurde ursprünglich eingedenk der römischen kaiserzeitlichen Aufführungspraxis damit gerechnet, dass das in Sichtweite des Theaters verlegte Orpheus-Mosaik aus der Badergasse in der Mainzer Altstadt eine Anspielung auf die dortigen Darbietungen darstellte, war doch der spektakuläre Gesang des Thrakers, der die wilden Tiere zum friedlich Zuhören bewegte, ein gern gebotener Nervenkitzel im römischen Theaterprogramm: Die Sage von Orpheus unter den wilden Tieren gehörte zu den inszenierten Mythen, die in römischen Theatern und Arenen stattfanden. Angesichts der erst später etablierten Datierung des
Mainzer Bühnentheaters in konstantinische Zeit und des Orpheus-Mosaik ca. 100 Jahre später, kann diese Korrelation nicht gehalten werden. Wenn die Darstellung des Orpheus tatsächlich einen Reflex von Spieleaufführungen im Sinne des seinerzeit beliebten mythological reenactments war, dann mag ein solcher Event immer noch im
Amphitheater stattgefunden haben, wenn die Garnisonsstadt Mainz tatsächlich ein solches besessen hatte. Vermutet wird es am Hang des Zahlbachtals unterhalb der Universitätskliniken bzw. des römischen Legionslagers.
Unbekannt bliebe dabei, im Rahmen welchen Festes eine solche Darbietung in Mainz stattgefunden haben könnte. Vgl. die Darstellungen des Orpheus auf den Mosaiken von
Rottweil,
Kos und
Hadrumetum.
Varro, de re rustica III 13,2-3
berichtet von einer Aufführung des Orpheus-Mythos durch einen Schauspieler im privaten Rahmen:
„(2) Ich aber, sagte jener, wenn ich bei Quintus Hortensius auf seinem laurentinischen Besitz war, dort habe ich eine Veranstaltung gesehen, die noch mehr thrakisch war. Wie er sagte, war dort nämlich ein Wald von über 50 iugera von einer Mauer eingezäunt, den er nicht Hasengehege, sondern Tiergehege nannte. Dort gab es eine hervorgehobene Stelle, wo wir auf einem installierten Triklinium speisten. (3) An diesem Platz befahl er nun, daß Orpheus gerufen werde. Als dieser mit Stola und Kithara herbeikam, begann er auf Geheiß zu singen und blies das Horn, daß sich eine so große Menge von Hirschen, Wildschweinen und sonstigen Vierbeinern um uns versammelte, daß es mir nicht weniger schön erschien als es eine Veranstaltung ist, wie die Jagden, die ein
Ädil im
Circus Maximus gibt, aber ohne afrikanische Tiere."
Martial berichtet in seiner Schrift de spectaculis, in welcher sich zahlreiche Hinweise auf inszenierte Mythendarbietungen finden, zwei Mal von einer öffentlichen Aufführung vom Gesang des Orpheus unter den wilden Tieren. Die erste Stelle beschreibt eine zu Ehren des römischen Kaisers
Domitian gegebene Veranstaltung in der Arena mit aufwändigen Kulissen und echten wilden Tieren, die der Darsteller des Orpheus jedoch nicht überlebte:
Martial, de spectaculis liber, XXI:
„Was das Rhodope-Gebirge in der Orpheus-Szene gesehen haben soll, hat jetzt die Arena dir, Cäsar, geboten. Felsen krochen heran, ein Zauberwald eilte herbei, so schön, wie man sich den Hesperidenhain vorstellt.Wilde Tiere aller Art waren da, den Haustieren zugesellt, und über des Sängers Haupt schwebten zahlreichen Vögel. Doch er selbst lag da, zerfleischt von einem undankbaren Bären. Dieser Vorfall nur wich von der mythischen Erzählung ab.“
Die zweite Stelle beschreibt den Bühneneffekt eines sich plötzlich öffnenden Grundes, aus dem der thrakische Sänger nach seinem misslungenen Versuch, Eurydike aus der Unterwelt zurückzuholen, emporstieg:
Martial, de spectaculis liber, XXIb:
„Wenn die Erde plötzlich aufklaffend Orpheus herauskommen ließ, kam er - wen wundert’s - von Eurydike aus der Tiefe."
Lit.:
R. Gogräfe, Die Wiedergeburt des Mainzer Orpheus (Mainz 2007).
Wandmalereien eines Hauses unter der Tiefgarage Proviantamt
Fragmente von Wandmalereien eines reich ausgestatteten Hauses im Bereich der Tiefgarage Proviantamt zeigen Masken, wovon eine als tragische Maske identifizierbar ist. Weitere Fragmente stammen von einem Panther, der einerseits auf das Begleittier des Dionysos, des Gottes des Theaters, aber auch auf Darstellungen von Tierkämpfen deuten kann. Welchen konkreten Hintergrund diese Anspielungen auf die römischen ludi besessen haben, bleibt unbekannt.
Lit.: R. Gogräfe, Die römischen Wand- und Deckenmalereien im nördlichen Obergermanien, Archäologische Forschungen in der Pfalz, 2 (Neustadt a.d.W. 1999) 410 Nr. 407,3-4 mit Abb. 103 S. 142.



