Lage
Beschreibung
In einem Gebäude unter der Kirche Sta. Maria Maggiore wurden 1966 Wandmalereien entdeckt, welche die Reste eines großartigen Monatszyklus wiedergeben. Erhalten sind Bilder der Monate September, November, Dezember und August. Zu den Bildern gehört ein in Fragmenten für die Monate Oktober, November, Dezember und Juli erhaltenes schriftliches Calendarium von Monatstagen mit dem Eintrag der von Festen. Über die Identifizierung des Gebäudes und die Datierung seiner Erbauungszeit sowie demzufolge auch über die Datierung der Wandmalereien entspannte sich eine lebhafte Diskussion. An dieser Stelle von besonderem Interesse ist die Erwähnung der
ludi Sarmatici am 1. Dezember, welche nach vorherrschender Meinung in der Forschung den Sieg der Kaiser
Marc Aurel und
Commodus im Jahre 176 feierten.
Ferner konnten für den 12. Oktober notierte circenses mit den
ludi Augustales verbunden werden. Weitere Angaben sind für den 29. und 30. Juli erhalten: C(ircenses)] M(issus) XXIII[I und CAE]S VICT [CM XXIIII. Hiermit dürften die ludi victoriae Caesaris gemeint sein, die 46 v.Chr. bei Weihung des Tempels der Venus Genetrix gelobt worden waren.
In einer späteren Ausstattungsphase wurden diese Wandfresken von einer Marmorinkrustation überdeckt.
Die großflächigen Wandbilder gliederten sich in drei Zonen, deren obere astronomische Themen, deren mittlere ländliche Szenen und deren untere städtische Bilder wiedergeben. Der Monat September innerhalb von Ambiente X sticht dabei durch die leider nurmehr sehr schemenhaft erhaltene Darstellung eines Gebäudes hervor, welches sowohl als ländliche Villa als auch als Theater gedeutet wurde. Relativ deutlich erkennbar ist dabei noch der linke risalitartig vorspringende mehrstöckige Flügel des Gebäudes, dem nach rechts das tiefer gelegene Dach der Bühne (?) oder einer Porticus zwischen Risaliten folgt. Nur wenige Reste sind noch vom rechten Flügel des Gebäudes erahnbar. Zu dem Bildfeld gehört nach Mols und Moormann ferner eine Szene mit einem popa und einer ascia an einem Tempel und einer porticus, also eine Opferszene. Da es sich um eine Monatsdarstellung handelt, könnte dies das Opfer zur Eröffnung der Ludi Magni bzw.
Ludi Romani am 13. September sein.
Literatur
Filippo Magi, Il calendario dipinto sotto Santa Maria Maggiore, MemPontAcc 11,1 (Vatikan 1972); H. Mielsch, Gnomon 48, 1976, 499-504; H. Mielsch, Funde und Forschungen zur Wandmalerei der Prinzipatszeit von 1945 bis 1975, in: ANRW II 12, 2 (Berlin 1981) 204; Michele Salzmann, New evidence for the dating oft he calendar at Santa Maria Maggiore in Rome, Transactions of the American Philological Association 111, 1981, 215-227; I. Levin, A reconsideration of the date oft he Esquiline calendar and of ist political festivals, AJA 86, 1982, 429-435, hier: 430-431; Jörg Rüpke, Kalender und Öffentlichkeit. Die Geschichte der Repräsentation und religiösen Qualifikation von Zeit in Rom (Berlin 1995) 86-89; E. La Rocca, Lo spazio negato. La pittura di paesaggio nella cultura artistica greca e romana (Mailand 2008) 65; Stephan T.A.M. Mols – Eric M. Moormann, L’edificio sotto S. Maria Maggiore e le sue pitture, Mitt DAI Rom 116, 2010, 490 Abb. 31. 33; Luigi Finocchietti, Una raffigurazione di vita ruralenin un portico di età romana sull'Esquilino, Eidola 11, 2014, 135-160.
