Beschreibung
Das Theater des
Pompeius war das erste feste Theater aus Stein in Rom, nachdem es vorher allein solche aus Holz etc. für den temporären Gebrauch gegeben hatte. Es wurde nach seinem 3. Triumph im Jahre 61 über die kleinasiatischen und orientalischen Provinzen sowie die Seeräuber im östlichen Mittelmeergebiet begonnen und im Jahre 55 v. Chr. mit großartigen Spielen eingeweiht (
Cic. fam. VII 1,2-4). Was jedoch hinter der Bemerkung des
Plutarch steckt, dass das Theater von
Mytilene auf Lesbos die Anregung für die Gestaltung des Pompeius-Theaters lieferte, bleibt trotz vieler Erklärungsversuche in der modernen Forschung recht unklar. Es war und blieb das größte römische Theater und wurde daher auch nach den Bauten des
Marcellus-Theaters und des
Balbus-Theaters oftmals ganz einfach 'theatrum' genannt, weil es d a s stadtrömische Theater blieb. Eine wegweisende Idee war, auf der summa cavea einen Tempel für Venus Victrix, d.h. die siegreiche Göttin Venus und Stammmutter der Römer zu erbauen und die Zuschauersitze lediglich als die Stufen zum Tempel der Venus erscheinen zu lassen (vgl.
Tert. spec. 10). Dies war wegen des offenbaren Bruchs mit römischer Tradition notwendig erschienen, hatte diese doch bisher allein den Bau temporärer Holzbauten vorgesehen, um andauerndem Müßiggang vorzubeugen (
Tac. ann. XIV 20). So wurde der kultisch-religiöse Aspekt betont, um drohender Kritik wegen eines Verstoßes gegen die überkommenen Sitten entgegenzuwirken, konnte doch die Göttin den ihr zu Ehren veranstalteten Spielen zusehen. Ihr Tempel lag oben im Scheitel der cavea und wurde 52 v. Chr. geweiht. Allerdings war diese Anordnung nicht singulär, bestanden doch auch andere Theaterkomplexe aus einem oberhalb der cavea gelegenen Heiligtum und dem darunter liegenden Theater (
Gabii,
Pietrabbondante,
Präneste,
Teano,
Tivoli).
Restaurierungsarbeiten fanden bereits unter Kaiser
Augustus statt (
res gestae 20,9), weitere nach einem Brand im Jahre 22 n. Chr. (
Tac. ann. III 72) unter Kaiser
Tiberius, die sich noch unter Kaiser
Caligula fortsetzten (
Suet., Cal. 21): erst Kaiser
Claudius beging schließlich eine aufwändige Neueinweihung (
Suet., Claud. 21,1). Die Bühne wurde von einem weiteren Feuer um das Jahr 80 heimgesucht (
Cass. Dio, epit. LXVI 24) und unter Kaiser
Domitian wiederhergestellt. Die unter Domitian wiederhergestellte scaenae frons sieht Sear als jene an, die auf dem Marmorplan der forma Urbis dargestellt ist, während Lanciani und Crema diese erst für das Ergebnis eines weiteren Wiederaufbaus severischer Zeit hielten (
CIL VI 1031). 247 erfolgte in der Regierungszeit von Kaiser
Philippus Arabs ein erneuter Brand. Unter Kaiser Carinus brach bei großartigen Spielen ein erneutes Feuer aus, das wiederum die Bühne in schwere Mitleidenschaft zog (
SHA Carinus 19,2). Vermutlich hierauf geht eine Ehreninschrift für Kaiser Diokletian zurück, in welcher die 'Wiederherstellung von Grund auf' bezeugt wird (
CIL VI 255). Noch im 5. Jh. sind Restaurierungsmaßnahmen unter den Kaisern Arkadius und
Honorius belegt (
CIL VI 1191). Ein letztes Mal sind aufgrund von Einsturzgefahr Restaurierungsmaßnahmen unter Theoderich erwähnt (
Cassiodor, var. IV 51,3-4.)
Die Reste des Pompeius-Theaters sind heute stark überbaut, doch hat sich die halbrunde Form des Zuschauerraumes in der Überbauung durch neuzeitliche Häuser bewahrt. Die Kartierung seiner Bausubstanz setzt sich aus vielen Einzelbeobachtungen zusammen, die seit dem 15. Jh. gemacht wurden. Von entscheidender Bedeutung ist jedoch die Überlieferung seines Grundrisses im antiken Stadtplan der
Forma Urbis: Darin erkennt man den mittig über der cavea gelegenen Tempel der Venus Victrix, einen Zuschauerraum mit einer ungewöhnlich vielgliedrigen radialen Unterteilung, welche die Substruktionen und Treppenaufgängen spiegelt, ein Bühnengebäude mit einer
scaenae frons aus zwei seitlichen großen Rundnischen für die hospitales sowie eine in der Mitte gelegene sehr breite Rechtecknische, in der man 3 Durchgänge erkennt an Stelle der
valva regia: Diese Gestalt der scaenae fons entspricht kaum der ursprünglichen spätrepublikanischen Bühnenrückwand, da diese bei einem Brand um das Jahr 80 zugrundeging und tiefgreifend ersetzt werden musste. Entsprechend sieht Sear in dieser
scaenae frons den domitianischen Neubau, während Lanciani und andere diesen Zustand erst mit der severischen Renovierung in Verbindung bringen. Das Aussehen der republikanischen Bühnenwand ist dagegen unbekannt, Teile der Forschung hielten sie für eine Holzkonstruktion, andere lehnten diese Idee ab, da solches nicht mehr zeitgemäß gewesen wäre. Heute sind einige Mauerpartieen in
opus-reticulatum-Technik im Bereich der Substruktionen für die Zuschauerräume noch sichtbar. Hinter der Bühne lag eine große porticus post scaenam (180 x 135 m).
Ausstattung
Cicero, ad Att. IV 9(12),1:
„Ich bin hier mit Pompeius zusammen gewesen. Wir sprachen eingehend über die politische Lage. Er ist mit sich selbst unzufrieden ... will von Syrien nichts wissen, redet dauernd von Spanien ... Dir sprach er außerdem seinen Dank aus, dass du die Aufstellung der Statuen übernommen hättest. ...” (Übers. nach H. Kasten)
Musengruppe
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Statue des Pompeius
Bronzestatue des Seianus
Statue der Victoria
Bildergalerie

- Rom, Grundriss des Pompeius-Theaters.

- Rom, Pompeius-Theater Grundrissskizze nach der Forma Urbis.

- Rom, Pompeius-Theater, Forma Urbis mit Ergänzung des Theatergrundrisses (Bild: wikimedia).

- Rom, Pompeius-Theater, Schnitt durch die Längsachse (nach: F. Rakob).

- Rom, Pompeius-Theater, moderne Nutzung in den Substruktionen des Zuschauerraums (Bild: Anke Karioth)

- Rom, Pompeius-Theater, moderne Nutzung in den Substruktionen des Zuschauerraums (Bild: Anke Karioth)
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formaurbis.stanford.edu/docs/FURmap.html

