ROM, Theater, ludi Ceriales
Die ludi Ceriales bzw. die Cerealia wurden in der römischen Kaiserzeit vom 12. bis zum 19. April gefeiert: Der letzte Tag war das Datum der Stiftung des Tempels für die Göttin Ceres sowie ihrer beiden Kinder Liber und Libera bzw. der Demeter, des Dionysos und der Kore. Der ursprüngliche Tempel war im Jahre 496 v.Chr. gelobt und drei Jahre später geweiht worden, brannte aber ab und wurde im Jahre 17 n.Chr. unter
Augustus und
Tiberius erneuert. In der republikanischen Zeit richteten die plebejischen
Ädilen die Spiele aus, die ihren Amtssitz im Tempel der Ceres hatten; in der Kaiserzeit war die Ausrichtung auf die
Prätoren übertragen worden. Der Tempel lag in der Nähe des
Circus Maximus. Der Abschluss und Höhepunkt des Festes wurde im Circus Maximus begangen, wobei auch eine eigentümliche Fuchsjagd stattfand. Seit der Kaiserzeit sind auch Bühnenaufführungen nachweisbar, gelegentlich fanden schließlich auch Gladiatorenkämpfe statt. Ferner wird von den athletischen Wettbewerben Laufen, Ringen und Boxen nach griechischer Manier berichtet.
Cassius Dio XLIII 51,3.
Cassius Dio XLVII 40,6.
Cicero, Verres II 5,36.
Dionysios von Halikarnassos VI 17,2; VI 94,3;
VII 71,2-73.
Livius III 15,3; III 55,7; III 55,13; XXX 39,8.
Tacitus, ann. II 49; XV 53;
XV 74.
Varro, ling. latinae VI 15.
Quellen
Cassius Dio XLIII 51,3.
Cassius Dio XLVII 40,6:
Im Vorfeld der
Schlacht von Philippi 42 v.Chr. heißt es:
„ (5) ... Und was die Menschen betraf, so schien alles, was sie zufällig taten, (6) auf das nämliche Ziel hinzudeuten: Zum Beispiel feierte während der feriae der Stadtpräfekt die Latiarien, die weder etwas mit ihm zu tun hatten noch gewöhnlich in dieser Jahreszeit begangen wurden, und die plebejischen Ädilen hielten zu Ehren der Ceres anstelle des Pferderennens Gladiatorenkämpfe ab."
Lit.: zu den Latiaria:
RE XII (Stuttgart 1924) 909 s.v. Latiar (Thulin); weblink:
wikipedia.
Cicero, Verres II 5,36:
Nunc sum designatus aedilis; habeo rationem quid a populo Romano acceperim; mihi ludos sanctissimos maxima cum cura et caerimonia Cereri, Libero, Liberaeque faciundos, mihi Floram matrem populo plebique Romanae ludorum celebritate placandam, mihi ludos antiquissimos, qui primi Romani appellati sunt, cum dignitate maxima et religione Iovi, Iunoni, Minervaeque esse faciundos, mihi sacrarum aedium procurationem, mihi totam urbem tuendam esse commissam; ob earum rerum laborem et sollicitudinem fructus illos datos, antiquiorem in senatu sententiae dicendae locum, togam praetextam, sellam curulem, ius imaginis ad memoriam posteritatemque prodendae.
„Nun bin ich gewählter Ädil; ich bin mir des Vertrauens bewusst, das das römische Volk in mich gesetzt hat: Ich muss die hochheiligen Spiele zu Ehren von Ceres, Liber und Libera mit größter Sorgfalt und unter strikter Einhaltung der Riten ausrichten; ich muss die Mutter Flora durch Festspiele für das römische Volk und die Plebs gnädig stimmen; ich muss die ältesten Spiele – die ersten, die als „Römische Spiele“ bezeichnet wurden – zu Ehren von Jupiter, Juno und Minerva mit höchster Würde und religiösem Ernst durchführen; zudem sind mir die Sorge um die heiligen Tempel und der Schutz der gesamten Stadt anvertraut. Als Lohn für die mit diesen Pflichten verbundenen Mühen und Sorgen erhalte ich folgende Auszeichnungen: Vorrang beim Rederecht im Senat, das Recht, die toga praetexta zu tragen, die Nutzung der sella curulis sowie das Recht, Ahnenbilder zur Bewahrung meines Andenkens für die Nachwelt zur Schau zu stellen."
Dionysios von Halikarnassos VI 17,2:
„Nachdem ihm (d.i.
Aulus Postumius) alles nach Wunsch verlaufen war, brachte er Reinigungsopfer für das Heer dar und kehrte in die Stadt zurück, wo ihm die Ehre eines glänzenden Triumphs zuteil wurde. Eine Menge von Waffen ließ er auf vielen Wagen fahren, reichliche Vorräte von Kriegsgeräten mittragen und die in der Schlacht Gefangenen, 5.500 an der Zahl, hinter sich hergehen. Von der Beute nahm er den Zehnten und feierte den Göttern Wettspiele und Opfer mit einem Aufwand von 40 Talenten und gelobte die Erbauung von Tempeln für Ceres, Bacchus und Proserpina. ... ”
Dionysios von Halikarnassos VI 94,3:
„
Cassius aber, der andere Konsul, welcher in Rom geblieben war, weihte in der Zwischenzeit den Tempel der Ceres, des Bacchus und der Proserpina ein, welcher am Ziel des
Circus Maximus gerade über den carceres erbaut ist.
Aulus Postumius, der Diktator, hatte das Gelübde getan, ihn diesen Göttern zu errichten, als er gegen das Heer der Latiner zu kämpfen im Begriff war, und der Senat nach dem Sieg den Beschluss gefasst hatte, seine Erbauung ganz aus der Kriegsbeute zu bezahlen. Jetzt aber war das Werk vollendet."
Livius III 15,13.
Livius III 55,7.
Livius III 55,13 (449 v.Chr.):
(7) (13) Das waren die konsularischen Gesetze. Von denselben Konsuln wurde auch die Einrichtung geschaffen, dass die Senatsbeschlüsse im Tempel der Ceres bei den plebejischen
Ädilen hinterlegt werden sollten. Bisher wurden sie nach dem Gutdünken der Konsuln unterdrückt und verfälscht."
Livius XXX 39,8.
Ovid, fasti IV 679-712:
„Kommt dann der dritte Morgen, nachdem die Hyaden entschwanden,
Stehen, durch Schranken getrennt, Pferde im
Circus am Start.
Jetzt muss ich sagen, warum man die Füchse mit brennenden Fackeln,
Die man ihnen am Leib festbindet, losrennen lässt!
...
Um seine Schuld zu büßen, verbrennt dieses Tier an dem Fest der
Ceres; es endet dann so, wie es die Saat einst verdarb." (Übers. Niklas Holzberg)
Tacitus, ann. II 49:
„Um die gleiche Zeit weihte er (d.i.
Tiberius) Göttertempel, die durch Alter oder Feuer in Verfall geraten waren und die
Augustus wieder aufzubauen begonnen hatte: einen für Liber und Libera sowie einen für Ceres, den der Diktator
A. Postumius gelobt hatte, gleich neben dem
Circus Maximus, einen anderen auf dem gleichen Platz der Flora, den die beiden
Ädilen Lucius und Marcus Publicius errichtet hatten, ..."
Tacitus, ann. XV 53:
„Endlich beschlossen sie (d.h. die Teilnehmer der
pisonischen Verschwörung), am Tage der circensischen Spiele, einem Festtag der Ceres, ihren Plan durchzuführen. Denn der Cäsar (d.i.
Nero) der selten ausging und in seinem Palast oder Park abgeschlossen lebte, pflegte bei den Spielen im Circus zu erscheinen, wo man leichter an ihn herankommen konnte, während das Publikum diesen Spielen frohgestimmt zuschaute."
Tacitus, ann. XV 74:
„Dann wurden Geschenke und Dankfeiern für die Götter beschlossen sowie eine besondere Ehrung für den Sonnengott - er hatte im
Circus einen alten Tempel, in dem das Verbrechen vor sich gehen sollte -, weil er durch sein Walten die heimliche Verschwörung aufgedeckt habe. Auch sollten die circensischen Spiele beim Ceresfest mit einem größeren Wagenrennen gefeiert werden ... "
Tacitus, hist. II 55:
„In Rom aber herrschte keine Spur von Unruhe: Die Spiele am Fest der Ceres wurden wie gewönlich besucht. Als die sichere Nachricht von Othos Tod und von der durch den Stadtkommandanten
Flavius Sabinus vorgenommenen Verteidigung des gesamten in Rom liegenden Militärs auf Vitellius in dasTheater drang, erhob sich für Vitellius ein Beifallssturm." (Übers. nach H. Hross - H. Borst)
Varro, de lingua latina VI 15.
Palilia dicta a Pale, quod ei feriae, ut Cerialia a Cerere.
„Die Palilien werden nach Pales so genannt, so wie die Cerialia nach Ceres.”
Literatur
RE III (Stuttgart 1899) 1980-1981 s.v. Cerialia (Wissowa)
RE Suppl. V (Stuttgart 1931) 624-625 s.v. ludi publici (Habel)
E. Köhne, Brot und Spiele, in: E. Köhne - C. Ewigleben (Hrsg.), Caesaren und Gladiatoren. Die Macht der Unterhaltung im antiken Rom, Begleitbuch zur Ausstellung Historisches Museum der Pfalz Speyer, 9. Juli bis 1. Oktober 2000 (Mainz 2000) 15.
I. Nielsen, Cultic theatres and ritual drama in ancient Rome, in: A. Leone - D. Palombi - S. Walker. (Hrsg.), Res Bene Gestae: ricerche di storia urbana su Roma antica in onore di Eva Margareta Steinby (Rom 2007) 243.
